Interview mit GUN BARREL

Interview mit GUN BARREL, German Heavy Metal Dirty Rock (Rolf Tanzius/ Leader, Guitar, Patrick Sühl/ Vocals, Tomcat Kintgen/ Bass, Toni Pinciroli/ Drums), geführt von Petra M. Jansen

Rolf, wie lange gibt es euch schon?

   GUN BARREL gibt es seit 1999. 2000 haben wir mit „Back To Suicide“ eine MCD veröffentlicht, was uns einen Deal mit LMP (Limb Music Products) einbrachte, die dadurch auf uns aufmerksam wurden und wir veröffentlichten im selben Jahr unser Debutalbum „Power-Dive“. Daraufhin gab es eine große Resonanz und wir tourten mit MOLLY HATCHED, ROSE TATTOO, SILENT FORCE u.a. durch Europa. 2003 erschien unser zweites Album „Battle-Tested“, 2005 folgte – nach einer Umbesetzung – „Bombard Your Soul“ unser drittes Release und wir verfeinerten unseren musikalischen Anspruch immer mehr. Die Arbeit zahlte sich aus, wir spielten auf großen Festivals und tourten mit Bands wie MYSTIC PROPHECY, WASP, JON OLIVA`S PAIN, TANKARD, SLAYER oder MORGANA LEFAY. Mit „Outlaw Invasion“ erschien 2008 unser viertes Album, zum 10jährigen Bandbestehen haben wir 2010 eine DVD rausgebracht, mit Liveshow, voll mit Songs und unserer History und in streng limitierter, handsignierter Auflage unser erstes Live-Album. Jetzt am 21.3. kommt „Damage Dancer“, unser sechstes Album bei Massacre Records.

Wie war die Tour mit Grave Digger? Hat sie euch Erfolg gebracht?

   Die Tour mit Grave Digger war sehr erfolgreich, war echt gut. Eine schöne Location, gute Resonanz und eine gute Stimmung unter den Bands. Es hat sich was getan, es gab definitiv mehr Verkäufe und mehr Zugriffe auf unsere Homepage.

Wie ist Patrick zu GUN BARREL gekommen? Das ist eine interessante Geschichte…

   Rolf: Patrick ist jetzt seit 2011 dabei. Ich war auf einem Konzert eingeladen, bei dem Coverbands gespielt haben und normalerweise gehe ich nicht auf Coverband-Konzerte. Da spielte eine Lynyrd Skynyrd Band und ich hatte gerade unseren alten Sänger vor die Tür gesetzt. Ich hab Patrick da zum ersten Mal gehört und dachte „geil, der iss et“ und habe ihm über YouTube was geschickt bzw. versucht, ihn zu kontakten. Habe ihn gefragt, ob er uns bei zwei, drei Auftritten aushelfen könnte. Dann stellte sich heraus, dass Patrick GUN BARREL Fan war und die Texte alle auswendig kannte. Er hat spontan ja gesagt.
Patrick: naja, jetzt mal die andere Seite. Da kam ein Anruf von Rolf, meine damalige Freundin war im Raum und sie bekam irgendwie mit, dass das was mit Musik zu tun hatte und ich stand also da …“ja, ja, Dienstag, ich guck mal nach, ob Dienstag klappt…“, „ob ich Dienstag kann…?“ „Jaja, Dienstag könnte klappen, ein paar Songs kenn ich, ist kein Problem…ja, kriegen wir schon irgendwie hin, 90 Minuten…“ Das war am Sonntag als Rolf anrief und der erste Gig war am Freitag. Also, wir haben zweimal geprobt…
Rolf: „genau!“ Das war´s, seitdem ist Patrick dabei. Sehr spontan.

Bereut hast es nicht, oder?

   Patrick: naja, guck se dir an :)

Wo seid ihr unter Vertrag?

   Aktuell sind wir bei Massacre Records unter Vertrag, bei der cmm sind wir nicht mehr, da war auch nur die DVD, sie ist auch immer noch da, aber die aktuellen Sachen nicht. Wir wollten die „Brace For Impact“ unter einem traditionellen Konzept veröffentlichen und sie haben ein anderes Konzept, wie du weißt. Für die DVD war das sicher richtig dort zu unterschreiben, ebenso für die Live-CD, die ja noch mit dazu gehörte.

Sind der CD-Verkauf, die Vinyls oder die Downloads das beste Geschäft für euch?

   Tom: der CD Verkauf. Wir merken zwar nicht, dass der CD Verkauf anzieht, aber wir hoffen es – mit dem neuen Album. Vinyl haben wir überhaupt nicht, bis auf eine Vinyl-Single damals in Amerika. Die Vinyls, die es in Deutschland von uns gab, sind alle weg.

Ihr ward gerade letztens hier schon einmal bei uns in der Gegend. Wie war das bei der Halle Höchst Party?Gun Barrel

   Tom: wir haben alles gegeben und verbrannte Erde hinterlassen. Ich meine mich zu erinnern, dass das Publikum richtig, richtig schwierig war. Normalerweise siehst du von der Bühne aus so´ n Grüppchen von vielleicht acht Personen und wenn dann gar nichts passiert, dann suchst du dir selbst Grüppchen und sprichst die direkt an, während der Songs. War richtig schwierig da. Auf einmal wurde es voll in dem Zelt und ich dachte „jetzt klappt es!“ und dann stellte ich fest…neben dem Zelt hat´s geregnet. Die Coverband hatte wohl eher was davon gehabt, scheinbar können die meisten Leute da wohl eher was mit ner Coverband anfangen als mit uns. Kaum hast du bei der Coverband eine bekannte Nummer, da tippst sogar der Letzte ganz hinten mit…Mensch, Mensch…

Was sind eurer Meinung nach die Schwachstellen des Musikbusiness?

   Tom: ich habe das Gefühl, das Business hat ganz, ganz lange an der Wand geschlafen und gar nicht mitgekriegt, dass die Leute schon ganz woanders unterwegs waren. Weil die in den 90ern so viele CD´s verkauft haben und gedacht hatten, das würde immer so weitergehen, da bräuchten sie über nichts anderes nachzudenken. Definitiv eine Schwerfälligkeit von den Labels. Als dann alle illegal gedownloaded haben, sagten die Labels „ne du, da machen wir nichts, das rentiert sich nicht“, das empfinde ich das als schwerfällig.

Es gibt die Aussage von Musikern, dass die Downloads das Geschäft kaputt machen. Ist das eine Aussage, die ihr so stehen lassen würdet?

   Tom: nur bedingt.
Patrick: schau mal, wie wir mit der „Brace“ umgegangen sind. Am Tag des Release haben wir die „Brace For Impact“ komplett als Stream auf die Homepage gestellt. Was auch damit zusammenhängt, dass wir in einer Szene unterwegs sind, wo wir davon ausgehen, dass sich die meisten eine CD auch kaufen. In diesem Genre ist es wirklich einzigartig…das ist ein Genre, da kommt auf einmal die Vinyls wieder. Die Dinger sind scheißteuer und die Leute kaufen sie, was nicht heißen soll, dass sie sich ausnehmen lassen. Es zeigt vielmehr eine Fan-Treue und sie wollen was in der Hand haben. Ich denke, wir werden das mit einer neuen CD auch so machen…
Tom: es ist auch eine Sache des Selbstvertrauens, wenn du sagst „hier Fans, ihr könnt euch das alles mal kostenlos anhören.“ Die Leute, die kaufen und unterstützen wollen, tun das auch und diejenigen, die nur runterladen, die hätten eh nicht gekauft. Die laden es einfach runter, hören, löschen es wieder und sagen „ok“:
Es ist Quatsch, wenn man sagt, das Internet mache den Markt kaputt, denn das Internet i s t jetzt der Markt! Da könntest du jetzt einen mittelalterlichen Gemüsehändler irgendwo in Köln hinstellen und der sagt auch „der EDEKA macht mir den Markt kaputt“. Komisch, über EDEKA und Tante Emma Laden diskutieren wir nicht mehr, aber …ja…der Plattenladen ist tot und das Internet ist j e t z t der Markt, so sehe ich das.
Rolf: als das Internet gekommen ist, haben alle gesagt, dass Internet mache die Musik kaputt und jetzt ist es einfach nur eine Verschiebung.
Tom: es ist halt zu spät reagiert worden. Es kommen Dienste wie vor zwei Jahren Spotify hinzu oder davor Napster. Allerdings war es am Anfang neu und interessant, deswegen wollte jeder so viel wie möglich streamen. Dann hatten sie den ganzen Rechner voll und wussten nicht mehr, wo sie was haben…und löschen das wieder.

Gibt es nun wirklich eine Krise im Musikbusiness? Oder ist das wieder eine deutsche Mentalität, etwas schlecht zu reden?

   Tom: ich glaube, es ist eigentlich so, wie es immer war. In den 50ern und in den 60ern sind auch große Namen über die Dörfer gezogen und haben wenig Geld auf der Straße verdient, sind von ihren Plattenfirmen abgezockt worden oder haben gar nichts verdient. Als Ronnie James Dio bei Rainbow rausgeflogen ist, war er total pleite. In der Zeit, als er bei Rainbow war, hat er ein Haus gehabt, ein finanziertes Auto, verdiente die Woche 150 Dollar. Dafür hat er für uns „long live rock´n roll“ gesungen, für 150 die Woche. Als er raus war, war alles weg und er hatte gar nix mehr, null.
Rolf: doch, die Verkaufszahlen sind allgemein runtergegangen und schau mal die Billboard-Charts, da werden nur die CD-Verkäufe berücksichtigt, keine Downloads. Da sind wir schon wieder bei der Schwerfälligkeit.
Tom: die Leute müssen sich schon überlegen, was sie kaufen oder nicht. Schauste ins Portemonnaie, dann überlegste es dir halt auch. In den 70ern hatten die Leute auch nicht immer das Geld…

Welches Festival wäre für euch das absolute Highlight?

   Rolf: Graspop-Festival, WACKEN main stage, MAIN STAGE, 70.000 Tonnen Metal, aber wir kriegen es nur bis zur Köln-Düsseldorfer oder zur Loreley. :) das Summernight HARD´n Heavy´s, RockHard.
Patrick: RockHard ist ein unglaublich sympathisches Festival, mal gespannt, ob sich da jetzt was ändert.
Tom: Rock in Rio

Gibt es 2014 eine GUN BARREL Tour und welche Gigs sind geplant?

   Tom: bis jetzt gibt es noch keine zusammenhängende Tour so wie im letzten Jahr, aber derzeit stehen vier Gigs u.a. 21.3. in Köln die CD-Präsentation und 6.4 Steinbruch-Theater in Darmstadt. Der Rest ist in Planung.

Steht ihr hinter den Profilen oder der Homepage?

   Die Inhalte und Betreuung, das machen wir alles selbst, das macht kein Webmaster. Wir stehen persönlich dahinter.

Welche Botschaft habt ihr für eure Fans?

   Man darf den Arsch nicht höher hängen als man scheißen kann!

Vielen Dank euch für dieses lustige und interessante Interview. Ich wünsche der Band weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
   Wir danken, Petra.

© Petra M. Jansen

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One thought on “Interview mit GUN BARREL

  1. recht interessant was die Einschätzung des Musikmarktes angeht,
    was ich auch festgestellt habe, sie haben eine hohe Meinung von ihren Fans, das find ich persönlich sehr gut

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