Interview mit TRI STATE CORNER

Interview mit Tri State Corner (Vassilios “Lucky” Maniatopoulos (Vocals/ Darbuka), Ioannis “Janni” Maniatopoulos (Bouzouki), Markuz Berger (Bass), Christoph “Brat” Tkocz (Gitarre), Christos Efthimiadis (Drums)

geführt von Petra M. Jansen

Wie kam es zu der Bandgründung 2004 und wie seid ihr zusammen gekommen?

   Wir alle sind schon viele Jahre befreundet. Ich (Lucky) bin schon lange in der Rockmusik unterwegs und mein Bruder ist es inder traditionellen, griechischen Musik auch. Er wollte erst nicht, aber irgendwann habe ich ihn überreden können und so fing es an. Ich dachte, mit seinem Einfluss könnte es funktionieren und mittlerweile haben wir eine stabile Truppe aufgebaut, die nun schon seit 10 Jahren in genau dieser Konstellation zusammen ist.

Die Besetzung ist international und setzt sich aus Bandmitgliedern aus Griechenland, Polen und Deutschland zusammen. Ein Ausdruck eures internationalen Schaffens und des Zusammenführens der Kulturen oder reiner Zufall? Der Bandname Tri State Corner ist wohl das Dreiländereck?

   Nein, das ist kein Zufall, es ist Ausdruck unserer Fasern.Wir nehmen das Kapitel Integration sehr ernst und sind hoffentlich ein positives Beispiel erfolgreicher Integration in Deutschland. Wir schöpfen und lernen aus den unterschiedlichen Kulturen, -das ist total bereichernd, wenn man sich darauf einlässt, … sodass die andere Kultur dich anspringt. Es ist sehr schön, die unterschiedlichen Einflüsse zusammen zu führen und das auch in der Musik aufblühen zu lassen.

Tri State Corner hat einen einzigartigen Sound mit extrem hohem Wiedererkennungswert. Das Vermischen der harten Töne der Rockmusik mit den sensiblen der Bouzouki ist umwerfend und hat in meinem Augen die Rock-/ und Metal-Szene revolutioniert. Wie ergab es sich, dieses – hier relativ selten gespieltes – Instrument in die Band zu integrieren?

   Es gab zwei Gründe: erstens ist mein Bruder in der traditionellen Musik unterwegs und beherrscht das Instrument und zweitens, sind wir mit der griechischen Musik in der Familie groß geworden. Wir sind in Deutschland aufgewachsen und hatten das Glück von beiden Kulturen beeinflusst zu werden – es gab zwei Welten. Die Eine war im Haus: griechisch, traditionell. Der Andere war draußen: deutsch und in meinem Fall sehr Rockmusik-lastig, sozusagen zwei Herzen in einer Brust, die man beide mag. Irgendwann war klar, dass wir die beiden Musikstile zusammenfügen müssen. WIR sind also selbst zwei Kulturen und es fühlte sich an wie eine Art Erlösung. Daher können wir damit auch nicht aufhören und es spielt dabei auch keine Rolle, ob Tri State Corner erfolgreich war und ist oder nicht.

Was macht ihr, wenn Janni eines Tages mal nicht mehr auf die Bühne gehen wollte?

   Das wäre der absolute Horror! Toi, toi, toi, dass wir es weitermachen. Wir sind nun seit 10 Jahren ohne Besetzungswechsel gemeinsam unterwegs. Wir lieben es, Musik zu machen und wir erleben alles zusammen. Das kann man sich nicht mehr weg denken. Wir sind dicke, dicke Freunde und das macht es doppelt toll. Die Crew ist übrigens auch von Beginn an auf fast allen Positionen die Gleiche, wir sind eine Familie! Man könnte vielleicht ein Instrument ersetzen, aber es würde nie wieder das Gleiche sein, egal, wer geht.

Home is where the heart is“, ist ein Zitat von dir, Lucky und auch die Philosophie der Band? Wie drückt sich das aus?

   Auf jeden Fall, das ist definitiv die Philosophie jedes Einzelnen. Wir glauben, dass man sich nur wohlfühlen kann in seinem eigenen kreierten Umfeld. So lange man die Leute um sich herum hat, die man liebt, kriegt man alles hin. Wir brauchen das sogar, sonst sind wir nicht in der Lage, das hier alles durchzustehen. Kennst du das? Du bist sicher in einem Tropfen Wasser, wie in einer Kapsel. Wir halten aneinander, das ist unsere Stütze.

Seid ihr gemeinnützig engagiert?

   Unbedingt. Jeder einzelne von uns ist sozial engagiert. Drei von fünf sind im Vorstand eines Jugendkultur-Fördervereins, der u.a. Konzerte für junge Nachwuchsbands organsiert und umsetzt. Wir geben Musikunterricht, auch für die ganz Kleinen, die Kinder, denn wir wollen die Liebe zur Musik fördern. Ich (Lucky) möchte nicht, dass sie nur vor der Play Station sitzen, sondern sich mit Musik, anderen Menschen und Gruppenaktivitäten beschäftigen. Außerdem arbeite ich ehrenamtlich bei der Tafel. Da bekommst du schon andere Gedankengänge, wenn du so was machst.

Tri State CornerIst eure Musik im Zeichen der kritischen Weltlage eine Auseinandersetzung mit den Kulturen und ein indirekter Aufruf zur Gemeinsamkeit?

   Unbedingt. Die letzten beiden Alben sind Konzeptalben aus einer Trilogie (ein Album kommt noch). Das erste Album „Historia“ ist die Geschichte eines Migranten, der sein Land verlässt und sein Glück in der Welt versucht. Dieses Album ist die Vergangenheit. Das zweite Album „Home“ spielt in der Gegenwart und behandelt Themen wie die Zwei-Klassen-Gesellschaft, Umweltverschmutzung, Kommerz, Kapitalismus und schlägt um in die Frage „wie gehen wir damit um?“ Du weißt, du kannst das alles nicht ändern, aber was kannst Du zur Veränderung beitragen und wie gehst du damit um? Und das nächste Album wird die Zukunft sein…aus unserer Sicht. Ich mag Konzeptalben, ich schreibe Geschichten, möchte etwas mitteilen, weil ich glaube, es ist wichtig.

Welche Richtung vertretet ihr in euren Texten und wer schreibt sie? Ihr schreibt in Englisch und Griechisch, ist das richtig?

   Texte und Geschichten schreibt Lucky. Janni hilft bei den griechischen Texten und schreibt mit. Unsere Lyrics sind nicht politisch und haben keine religiöse Richtung, aber sie sind weltkritisch.

Bei der diesjährigen RAGE-Tour ward ihr Supporter und für mich ein wirkliches musikalisches Highlight, weil ihr einen universellen Sound habt. Wie zufrieden war die Band mit dem Support und was ist euer Resümee nach dieser Tour?

   Wir waren sehr zufrieden mit der Tour. Es war eine tolle Tour, die sehr harmonisch war, was für uns essentiell ist. Wir hatten den Vorteil, dass Peavy und Chris sich von früher her kannten. Zwar war die Tour nicht immer superbesucht, aber die Erfahrung war für uns sehr gut. Eine so lange, zusammenhängende Tour hatten wir noch nicht gespielt und wir haben gesehen, dass wir in der Lage sind, vor unterschiedlichem Publikum zu bestehen. Teilweise supporteten wir Bands mit Rockpublikum, teilweise Hardrock und bei RAGE waren es häufig die MetalHeads, was uns und zum Glück auch dem Publikum viel Spass bereitet hat.

Dass das Musikgeschäft ein klassisches Marketing-Business ist, habt ihr sehr gut verstanden und eurem Label ein klar strukturiertes Konzept mit Zielgruppenanalyse, Strategieplan, Gewinn- und Verlustrechnung etc. vorgelegt bevor es überhaupt zu einem Vertrag kam. Wer ist der Marketingprofi und was ist heutzutage unbedingt notwendig, um Erfolg zu haben?

   Wir haben alle im Laufe der 10 Jahre sehr viel gelernt. Es hilft natürlich eine artverwandte Ausbildung zu haben, aber es ist nicht das Wichtigste. Man muss versuchen, sein Geschäft ganzheitlich zu lernen und zu verstehen. Jeder von uns hatte von Anfang an eine klare Aufgabe – der eine ist für das Social Marketing zuständig, der andere kümmert sich um den Sound. Finanzen, Organisation, Vermarktung, Lizenzgeschäft, Merchandising, Verlagswesen usw. sind alles Themen, die man nachvollziehen sollte, wenn man nicht abhängig sein möchte von Dritten.Wir machen alles selbst. Dann wird eine Band auch erfolgreich.Wir halten unsere Band für erfolgreich, da wir das tun können und dürfen, was wir tun. Man muss sein eigenes Geschäft verstehen. Die meisten verstehen oft das kleine Einmaleins nicht, das ist oft das Problem.

Seht ihr es so, dass ein gezieltes Marketing unbedingt empfehlenswert ist und was habt ihr in eurem Fall bisher erreicht dadurch?

   Ja, absolut. Wir sind eine Band mit Alleinstellungsmerkmal, 350 Liveshows, vier Releases, Shows in 22 Ländern auf drei Kontinenten, über 2.000 Berichten, kontinuierlich wachsender Fernseh- und Radiopräsenz in den letzten Jahren und jetzt seit 10 Jahren auf dem Marktund das Wichtigste: viel Freude und Lust weiter zu machen…das haben wir erreicht.

Was muss eine Band eurer Meinung nach unbedingt haben oder tun, um nicht im Dschungel des Musikgeschäftes unterzugehen? Könnt ihr einen Tipp mit auf den Weg geben?

   Lerne dein eigenes Geschäft so gut du kannst, bevor du eine Band machst. Wichtig ist also lernen, sich mit dem Geschäft auseinander setzen und vor allem auch die Erwartungshaltungen mit dem Leistungsvermögen abzugleichen. Und zwar dort, wo das Leistungsvermögen auch tatsächlich hin reicht.

Ihr alle habt einen interessanten und anforderungsstarken Beruf. Ist das immer kompatibel mit den Auftritten und einer geplanten Tour? Wie sprecht ihr euch ab und legt die Termine fest?

   Das hat sehr viel mit Selbstdisziplin zu tun, mit Organisation, mit Programm-Management, mit Tools. Wir haben feste Quartalsplanungen, das ist eine feste Größe. Du musst permanent den Kalender dabei haben und durch organisieren. Alle müssen Bescheid wissen und alle müssen auch an einem Tisch sitzen, dazu gehören selbstverständlich auch die Familien. Wir hatten im Oktober ein Strategie-Meeting und unsere Planungen bis Juni 2016! abgeschlossen.

Nächstes Frühjahr geht es wieder auf eine Tour, dieses Mal als Headliner?

  Ja, das ist unsere erste eigene Headliner-Tour und wir sind schon ganz aufgeregt. Es ist eine Clubtour und wir haben das noch nie für uns alleine gemacht. Als Support ist die Messlatte an uns sicher nicht ganz so hoch, aber hier kommen dann nur Leute für TSC, das ist schon spannend…also kommt vorbei und werdet Teil davon.

Wie viele Alben hat die Band bis heute veröffentlicht und was ist weiterhin geplant?

 Bisher haben wir eine EP und drei Alben veröffentlicht und dasnächste Album veröffentlichen wir voraussichtlich im Mai 2016.

Lucky, hattest du eine Gesangsausbildung oder ist das angeborenes Talent?

   Ich habe tatsächlich drei Jahre Gesangsunterricht genommen, Petra. Eigentlich bin ich ursprünglich Schlagzeuger, fing 2000 mit dem Singen an und habe dann 2004 als es mit TSC losging, Gesangsunterricht genommen. Ich sollte mir noch viele Jahre Unterricht nehmen, das kann nur gut sein…

Lucky und Janni…ihr seit Brüder. Klappt das immer reibungslos?

   Ja, klappt super! Wir machen alles zusammen, fast alles…ich (Lucky) wünschte Jedem so einen tollen Bruder.

Ich nehme an, ihr steht den Fans virtuell und nach den Gigs persönlich zur Verfügung und sucht den Austausch und die Kommunikation mit ihnen. Ist es heutzutage noch vorstellbar, eine „Diva“ zu sein? Wenn ja…was muss eine Diva mindestens haben, können, bieten um in diesem Status akzeptiert zu werden?

   Manche leben vom „Diva-haften“ als Marketing-Geschichte. Die Diva ist dann Teil des strategischen Marketings. Ich kann es mir nicht vorstellen, wir alle sind sehr normal, sehr bodenständig.

Nun noch einen Satz, der stellvertretend für euer Schaffen als Künstler und Musiker steht bitte.

   TSC ist Emotion, Tradition, Aggression.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wir wünschen euch weiterhin alles Gute.

   Danke auch dir, Petra, hat Spaß gemacht.

 

© Petra M. Jansen

www.tool4spirit.de

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