Interview mit der Melodic Death Metal Band NACHTSCHATTEN

Interview mit der Melodic Death Metal Band NACHTSCHATTEN (Daniel Wengle/ Bass, Vocals, Tony Kostanjsek/ Guitar, Andreas Siefert/ Guitar, Pascal Fitterer/ Drums),
geführt von Petra M. Jansen

 

Seit wann gibt es die Band NACHTSCHATTEN und in welcher Besetzung? Gab es Wechsel im Line up oder gab es euch schon immer in dieser Konstellation?

   Die Band NACHTSCHATTEN gibt es offiziell seit 2010, das war eine „Ausgründung“ aus einem Projekt von Daniel und mir (Andreas) mit dem wir zwei Jahre vorher angefangen hatten. Wir haben beschlossen, eine gezielte Ausrichtung zu suchen, eine Band in der Richtung Melodic Death Metal zu gründen und uns dann drei Mitstreiter gesucht. Über die Zeit von fast 5 Jahren gab es diverse Veränderungen im Line up, hauptsächlich aus privaten Gründen.

Ihr seid eine Melodic Death Metal Band mit deutschen Texten, was sehr außergewöhnlich ist. Wieso sind die Lyrics in Deutsch?

   Das ist eine interessante Frage, die bekommen wir sehr oft gestellt. Die hat sich für uns eigentlich nie gestellt. Wenn man sich künstlerisch mit etwas auseinander setzt, dann tut man das so, dass man möglichst wenige Barrieren hat. Wenn ich als Maler anfange zu malen, dann fange ich auch nicht an, mir einen Pinsel zu nehmen, der zwei Meter lang ist, sondern ich nehme einen Pinsel, der gut in der Hand liegt. Ähnlich ist das mit der Sprache auch, d.h. für uns war von Anfang an klar, wir sprechen Deutsch und wenn wir etwas sagen wollen und etwas ausdrücken wollen, dann benutzen wir natürlich die deutsche Sprache. Die ist uns geläufig und damit können wir natürlich am besten umgehen.

Bewährt es sich, deutsche Texte in dieser Musikrichtung zu verwenden? Ist schon außergewöhnlich.

   Wir haben bisher gute Resonanz, tja…Bewährung ist eine gute Frage…ich glaube, die richtige Bewährungsprobe geht jetzt mit dem Release unseres neuen Albums los, mit dem wir eine breitere Masse ansprechen und mehr Aufmerksamkeit generieren und hoffentlich auch bekommen. Live ist es so, dass es super gut ankommt und die Leute es auch ziemlich gut finden. Wir bekommen oft gesagt, dass unsere Texte cool, nicht klischeehaft und nicht pathetisch sind – gerade, wenn man sie versteht.

Was ist Ausdruck und Inhalt eurer Musik? Welche Ideologie steht dahinter? Wie ich gelesen habe, sind eure Texte so anspruchsvoll, dass sich die Botschaft oft erst nach dem zweiten Hinhören offenbart.

   Genau. Das ist eine Herangehensweise, die wir von Anfang an am besten fanden, eben mit der Sprache umzugehen und nicht mit der Holzhammermethode jemandem eine Message an den Kopf zu knallen sondern a) inhaltlich, sprachlich gewandt mit Worten umzugehen und den Inhalt zu transportieren und b) einen Interpretationsspielraum offen zu lassen. Ich will jetzt nicht sagen, dass wir eine Ideologie verfolgen und eine Weltanschauung verbreiten wollen sondern vielmehr sollen die Leute zuhören, sie sollen lesen und sich ihre eigenen Gedanken machen.

Bis jetzt habt ihr zwei Demo-Alben auf den Markt gebracht und nun ist gerade euer erstes Studioalbum „Prolog“ erschienen. Wie zufrieden seid ihr bisher mit dem Release?

   Der ganz offizielle Release-Termin ist am 20.März. Wir haben natürlich vorab schon einiges an Reviews bekommen, es läuft für uns bisher echt super. Wir freuen uns, dass das Album überall zu haben ist, wir freuen uns, dass wir vor dem offiziellen Release eine Resonanz generieren konnten und wir sind sehr gespannt darauf, wie es weitergeht und was passieren wird.

Brachiale Riffs, Vollgas, fetter Sound und anspruchsvolle Melodien stehen für NACHTSCHATTEN. Wer komponiert die Songs?

   Das ist unterschiedlich. Es gibt keinen Mastermind, der das im dunklen Kämmerlein schreibt, das in den Proberaum mitbringt und die anderen „verknechtet“, das zu spielen. Daniel und ich (Andreas) sind die treibende Kraft. Es ist so, dass jemand z.B. einen fast kompletten Song schon hat und man sich untereinander austauscht, sich ergänzt oder fehlende Parts ergänzt. Manchmal sitzt man zusammen und hat gerade ein neues Riff, das man anspielt und daraus Ideen und den Song entwickelt… schreibt, eigentlich.

Das neue Album „Prolog“ ist in Eigenregie in den Little Creek Studios in der Schweiz aufgenommen worden. Wieso dort?

   Ja, das ist richtig. Wie alles, was wir tun ist das ein sehr pragmatischer Ansatz, d.h. in dem Moment, wo wir die Bühne des professionellen Musik-Machens vertreten (was für uns auch Neuland ist), holen wir uns natürlich Rat und Tat ein. In dem Fall war das der Marcel „Schmier“ von „Destruction“, der ja aus unserer Gegend kommt. Er sagte: „das ist ganz klar, ihr müsst zu den Little Creek Studios gehen“. So kam es, wir sind uns schnell einig geworden und es war eine super Zusammenarbeit. Hat bestens geklappt.

Ihr seid bei Sonic Revolution mit einem Promotion Vertrag mit weltweitem Vertrieb?

   Genau, so ist es. Bisher haben wir keinen Bandübernahmevertrag.

Ich fand euer Album beim Nuclear Blast Shop gelistet. Wie kommt das?

   Ja, das ist eines der Dinge, die uns vorweg – vor dem offiziellen Release – sehr freuen, wenn wir surfen und schauen, was täglich so auftaucht im Netz über uns. Das ist der guten Arbeit von Sonic Revolution geschuldet, dass wir im digitalen Vertrieb bei Nuclear Blast aufgetaucht und gelistet sind. Wir sind auch in diversen CD- und Buchläden von Schweden bis hier, im Saturn oder Media Markt und wir finden täglich was Neues über uns.

Welche Shows stehen an? Ist es richtig, dass ihr in Belgien, Deutschland und in der Schweiz spielt?

   Ja, genau. Das sind auf jeden Fall die nächsten Shows, die fix sind und die anstehen. Wir spielen jetzt am Wochenende zum Release des Albums im Metal Café in Lörrach, am Samstag dann in der Schweiz und am 3.4. in Belgien, dann noch einen Monat später in Ulm. Weitere Shows planen und organisieren wir derzeit.

Was waren bisher eure größten Festivals oder Supports, die ihr gespielt habt? Gab es da schon was?

   Da gibt es bisher nichts großartig Nennenswertes. Gute Bands schon, aber nichts, was in der Metal-Szene jeder in Deutschland kennen würde. Wir sind relativ hemmungslos und spielen ganz gerne in einem kleinen Club irgendwo oder dort, wo immer es Möglichkeiten gibt. Du weißt selber, wie das ist in Deutschland derzeit mit den Auftrittsmöglichkeiten. Wir sind froh über jede Show, die wir spielen können. Es geht mehr ums Spielen und nicht so sehr um den Act, den wir supporten.

Wie sind die Pläne der Band?

   Das sind natürlich, wie jede junge Band die Weltherrschaft und abzurocken, völlig klar (lacht). Ja, wir wollen spielen, wir haben Spaß an unserer Musik und freuen uns darüber, wenn Menschen kommen und sagen „geile Mucke, die ihr macht.“ Wir versuchen jetzt, so viel wie möglich zu spielen und versuchen – wie du es eben angesprochen hast – irgendwo als support-Act unterzukommen, evtl. bei einer größeren Tour, um auch die breitere Masse zu erreichen.

Ich habe gesehen, dass ihr ein exzellentes Merchandise habt. Wer ist für die Pflege verantwortlich?

   Das ist Daniels und meine Baustelle. Wir betrachten das Ganze auch sehr künstlerisch und für uns sind auch das Artwork und eine grafische Darstellung von den Songs wichtig. Wir machen das komplette Merchandise selbst, wir haben auch das komplette Artwork vom Album selbst gemacht. So ist es für uns eine runde Sache und der höchste Grad des künstlerischen Ausdrucks. Wir haben aber auch die Kenntnisse, Möglichkeiten und Mittel, das zu tun und das nutzen wir natürlich.

Wie steht ihr als Death Metal Band zu den Themen Satanismus und Nekrophilie? Welche Rolle spielt das eurer Meinung nach tatsächlich in diesem Musikgenre? Nur Show?

   Ich glaube, dass es fast immer nur Show ist. Wenn ich mal einen breiteren Blick auf diese Dinge werfe, dann geht es letztendlich immer um einen Grad der Unterhaltung und Entertainment. Die große Masse hat kein großes Interesse daran, sich tiefsinnig mit diversen Themen auseinander zu setzen. Musik zu hören ist was Emotionales und auf ein Festival zu gehen ist Freizeitspaß und ganz einfach Entertainment. Ich denke, es ist ein Style, den man fährt. Ob es jetzt Black Metal ist oder sonst was, die Genres entstehen aus bestimmten Stilrichtungen oder aus einem bestimmten Ansatz, das hat auch mit der Grafikumsetzung zu tun. Die Leute wollen sich wiederfinden, aber das ist relativ austauschbar, denke ich.

Die Entwicklung des Death Metal zukünftig? Geht der Trend eher wieder zu Power Metal, Progressive und herausragendem Gesang, wie z.B. Jorn Lande, Zak Stevens…etc.? Growling ist ja nicht jedermanns Sache…oder bist du der Meinung, jeder etabliert sich und hat seine Fanbase?

   Alles hat seine Berechtigung und jeder hat seine Fanbase. Melodic Death Metal ist ja auch schon eine modernere Variante des klassischen Death Metal …das ist auch ein Mix, der mit den Melodien spielt. Ich glaube nicht, dass das an dem Gesang fest gemacht werden kann, es ist die Gesamtmischung, die zählt. Es gab schon immer Leute, die auf Power Metal und den hohen, cleanen Gesang stehen und das technisch Ausgefeilte. Die andere Gruppe steht eher auf das Tiefe, auf das Growling. Wir bewegen uns mit der Band eher dazwischen. Daniels Vocals versteht man sehr gut beim Growling, was eigentlich sehr ungewöhnlich ist, obwohl wir keine reinen cleanen Vocals drin haben. Wir verbinden das krasse „Ge-growle“ mit dem melodiösen Part.

Was wäre euer absolutes Wunschfestival?

   Oh, das ist eine gute Frage. Das kann ich (Andreas) nicht mir „wir“ beantworten, da ich nicht weiß, ob ich damit jedem aus der Seele spreche, aber ich glaube, schon wegen der Art des Festivals und der Musikrichtung, wäre es mit Sicherheit das SUMMERBREEZE. Das ist musikalisch die Richtung, in der wir zu Hause sind. Es ist ein überschaubares Festival, gut organisiert und dort spielen coole Bands. Das wäre schon ein ziemliches Highlight, dort zu spielen.

Welche Bands haben euch inspiriert?

   Ah, jetzt kommen die ganzen schwierigen Fragen… das ist in der Tat eine sehr, sehr schwierige Frage, denn da muss ich mich noch weiter aus dem Fenster lehnen als bei der Frage nach dem Festival. Wir haben teilweise sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker und das, was bei uns als Output generiert wird, ist ein Produkt dieser Inspirationsquellen. Gerade Daniel und ich, die das Songwriting machen, haben ganz unterschiedliche Ansätze. Ich habe aus beruflichen Gründen durch meine Arbeit im Theater auch mit ganz klassischen Dingen zu tun, kann auch der elektronischen Musik was abgewinnen. Für mich gab´s immer zwei Richtungen: das sind emotionale Dinge gewesen, die aus den 70ern heraus entstanden sind und die ganzen 80er Gitarrenvirtuosen…die waren damals ganz spannend. Die Entscheidung, Melodic Death Metal zu spielen, ist dem ganzen Genre gewidmet und all denen, die wir mögen. Es resultiert daraus.

Könnt ihr die beruflichen Dinge mit der Musik verbinden oder siehst du da Zeitprobleme? Wie macht ihr das, wenn ihr beispielsweise auf Tour gehen würdet über eine längere Zeit. Wie verbindet ihr das miteinander zeitlich?

   Bisher hat es super funktioniert, aber wir hatten ja im letzten halben Jahr auch die Umbesetzung der Band, aus zeitlichen, privaten, beruflichen Gründen, das ist schon richtig. Unser Schlagzeuger ist Tontechniker im Veranstaltungsbereich und ist selbständig, d.h. er hat selbst die Macht, zu entscheiden, wann er arbeiten geht oder nicht und so ist es bei mir auch. Bei Daniel sind wir gespannt, wie es sich entwickelt. Er ist im Moment in den letzten Zügen seiner Diplomarbeit, aber ich glaube, er wird jeden Urlaubstag nehmen, um Musik zu machen, wenn er fertig ist. Schauen wir mal…und Toni ist freiberuflicher Programmierer. So können wir im Moment relativ gut mit unserer Zeit haushalten und hatten bisher keine Probleme.

Nun noch ein Satz für die Fangemeinde da draußen, der für euch als Band steht bitte.

   Denkt nicht so viel nach, genießt lieber die Musik und nehmt sie, wie sie ist.

Habt ihr noch eine Botschaft für die Fans?

   Ja, hört unser Album an, hört rein, schreibt Kommentare auf Facebook, gebt uns Feedback und kommt vorbei auf unsere Konzerte. Habt Spaß mit uns und teilt eure Meinung mit uns. Sagt uns, was ihr denkt über unsere Musik. Das würde uns sehr freuen.

Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen der Band und allen Musikern weiterhin viel Erfolg. Wir haben das Interview parallel aufgezeichnet, so dass wir hier die (ausführlichere) Audio-Version zusätzlich veröffentlichen.

   Danke auch dir, Petra, hat Spaß gemacht.

Interview mit Andreas Siefert von Nachtschatten from Tool4Spirit on Vimeo.

© Petra M. Jansen

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