Interview mit der Hard-Glam-/Heavy-Rock Band STRANGELET

Interview mit der Hard-Glam-/Heavy-Rock Band STRANGELET (Stefan Zörner/ Vocals, Tobias Eurich/ all Guitars, Jonas Kümmerle/ Keys, Producer, Jessica Stuart/ Drums, Finn Janetzy/ Bass),
geführt von Petra M. Jansen

Hallo, Jonas! Schön, heute mit dir zu sprechen. Seit dem 12.12.2014 ist euer neues Album „First Bite“ im Handel und das hat voll reingehauen. War die musikalische Richtung von Anfang an klar?

   Hallo, Petra! Ja, ich freu mich auch. Von Anfang an kann man nicht sagen. In dieser Besetzung spielen wir seit 2012. Da war uns schon klar, dass es etwas eher 70er/80er Angehauchtes, etwas Rockiges werden sollte, aber die Findungsphase hat dann noch fast zwei Jahre gedauert, bis die Songs – die jetzt auch auf dem Album vorhanden sind – und der Sound standen.

Was unterscheidet STRANGELET von den vielen anderen Hardrock Bands? Ihr tretet ja sehr präsent und selbstbewusst auf.

   So wirkliche Hardrock-Bands gibt es ja eigentlich zurzeit nicht mehr, das ist schon etwas, was uns ein wenig rarer macht. Wir legen live sehr viel Wert auf die Bühnenshow und haben da Spaß, toben uns richtig aus. Wir studieren auch nichts ein, es ist jedes Mal ein bisschen anders. Musikalisch gesehen decken wir ein ziemlich breites Spektrum ab, wir haben ganz viele verschiedene Einflüsse aus den 70er und 80er-n und versuchen auch, etwas Moderneres mit rein zu bringen. Also ganz viele unterschiedliche Meinungen und wir streiten uns dann im Proberaum so lange, bis wir alles unter einen Hut kriegen.

Seit wann gibt es STRANGELET und wie seid ihr zusammengekommen? War die Besetzung schon immer so, wie sie derzeit ist? Was gibt es zur Bandgeschichte generell zu sagen?

   In der Besetzung wie sie jetzt ist, spielen wir seit 2012 und das letzte Mitglied, das dazu kam war der Stefan, davor hatten wir einen anderen Sänger. 2009 hat alles angefangen, das war auch noch sehr viel diverser was das Musikalische angeht, auch noch punkig und folk-mäßig. Wir haben in der Zeit viel ausprobiert. 2011 sind dann der Simon und die Jessy dazugekommen und ab da waren wir eine richtige Band ohne Schlagzeug aus der Dose. Unser damaliger Sänger ging dann für ein Jahr ins Ausland und so kam später Stefan hinzu.

Ihr habt das komplette Album mit 11 Tracks als Eigenproduktion verwirklicht und dabei auf einen internationalen Standard und Professionalität bzgl. Sound, Mix, Mastering, Artwork etc. geachtet. Ihr habt euch von Beginn an exzellente Partner geholt. Hattet ihr so viel Geld in jungen Jahren, um das zu realisieren und warum seid ihr diesen Weg gegangen?

   Geld haben wir nach wie vor gar keins. Mittlerweile ist die Bandkasse mit den Ausgaben für das Album und das Merchandise wieder auf null. Unser Glück ist eigentlich, dass ich (Jonas) Produzent und in der Studioecke recht fit bin. So konnte ich alles selbst realisieren, ansonsten wäre das finanziell in dem Umfang auch gar nicht möglich gewesen. Ich habe ein sehr gutes Studio an der Hand, in dem ich auch ein Jahr lang als Praktikant gearbeitet hatte. Dort haben wir alles aufgenommen und auch teilweise bei mir zu Hause. Ich habe alles gemischt, produziert, geschnitten. Das Mastering haben wir jemanden extern machen lassen, mit dem ich auch in sehr gutem Kontakt stehe. Es hat alles super gut funktioniert, war ein toller Work-Flow, das hat gut ineinander gegriffen und war echt schön so. Dadurch, dass ich alles selbst produziert habe, konnte für das Album und die Songs auch die Zeit investiert werden, die notwendig war. Wir mussten nie – auch aus Kostengründen – schnell, schnell machen, das gab´s bei uns nicht und es ist ein großer Vorteil, wenn man sich die Zeit nehmen kann.

StrangeletDenkt ihr, dass Bands zunächst in ihre Musik reichlich investieren müssen, um gehört und bekannt zu werden?

   Ich denke schon, ja. Ohne eine richtig gemachte, professionelle Produktion, also ohne ein gut gemachtes Album komplett… ohne das ist es sehr, sehr schwer, wirklich erfolgreich zu werden und auch größere Sachen zu erreichen. Das braucht man schon heutzutage und muss leider auch als Band in Vorleistung gehen. Es gibt ganz, ganz wenige, die erst an große Labels kommen und das alles bezahlt bekommen. Das gibt es zwar auch, aber das sind wirklich ganz, ganz Wenige.

Und ist das nicht traurig, dass junge Talente durch die Labels nicht gefördert werden?

   Das ist natürlich einerseits sehr, sehr traurig, aber andererseits muss man eben auch sagen, dass die Labels keine andere Möglichkeit haben. Den Labels geht es zurzeit auch so schlecht, die haben einfach nicht das Geld, um das in junge Bands zu stecken und sie zu fördern. Das können die sich momentan leider auch nicht leisten. Es ist der gesamte Musikmarkt, der es jungen Bands derzeit sehr, sehr schwer macht.

Woran liegt es eurer Meinung nach, dass speziell das Rockbusiness derzeit oder in den letzten Jahren so schwierig geworden ist?

   Gerade das, was wir machen… im Hardrock-Bereich, das ist ein stückweit am Aussterben ein bisschen. Nein… wobei… die letzten zwei, drei Jahre erkenne ich jetzt wieder, dass der 80er-Glam-Metal wieder richtig cool wird. Es gibt gerade so ein Revival, habe ich den Eindruck. Generell im Rockbereich hat es viel damit zu tun, dass auch viele der Rock- und Metal-Hörer – also die Fans – selbst Musiker sind und eigene Bands haben. Dadurch hat man fast genauso viele Fans wie Bands und somit wird es für einzelne Bands dann richtig schwer, Erfolg zu haben und groß rauszukommen.

Lohnt sich die Vorab-Investition, wenn euer Album im Selbstvertrieb zu 10 Euro verkauft wird? Ich finde das recht wenig für so viel Arbeit, die dahinter steckt und bin der Meinung, die Fans sollten das honorieren und gute Musik, gepaart mit diesem Mut, fördern und einen drauf legen. Ist das illusorisch?

   Es kann schon sein, dass es auch funktionieren würde, wenn unsere CD nun 18 Euro kosten würde, aber für uns war es in erster Linie wichtig, dass wir die Fans durch unsere CD auch erreichen und dass wir einen Preis ansetzen, den jeder problemlos bezahlen kann. Es wäre richtig doof, wenn Leute anfangen würden, unsere CD zu brennen, das wollen wir wirklich nicht. Uns geht es darum, unsere Musik unter die Leute zu bringen und uns bekannt zu machen. Wir wollen ja damit kein Geld damit verdienen, wir sind froh, wenn wir uns selbst finanzieren können. Uns ist das Finanzielle nicht so wichtig, vielmehr ist die Hauptsache, dass unsere Musik unter die Leute kommt.

Wie zufrieden seid ihr mit der bisherigen Resonanz und dem CD- und Download-Verkauf?

   Bis jetzt sind wir sehr zufrieden. Wir haben seit Dezember ca. 500 Exemplare wirklich verkauft. Downloads waren es nicht viel, wobei das von uns bewusst so gemanagt wurde. Wir haben nie so sehr den Download angekündigt, wir sind auch nicht bei ITunes o.ä., einfach weil wir viel Arbeit in die CD und das Artwork investiert haben. Wir wollen schon, dass die Leute sich die CD´ s kaufen und nicht einfach nur die Songs irgendwo runterladen.

Wer macht bei STRANGELET das Songwriting und die Lyrics? Wie kommt ein Song bei euch zustande? Schreibt Stefan die meisten Lyrics, machst du das oder zusammen mit Stefan? Was ist es für eine Botschaft, die ihr transportieren wollt?

   Die meiste Musik kommt vom Tobias und vom Gitarristen. Von Stefan oder mir kommt ab und an was. Musikalisch kommt einer von uns in den Proberaum und wird auch mal von der ganzen Band zerpflückt. Da zoffen wir uns auch mal, es kann auch richtig anstrengend und nervenaufreibend sein. Wir haben viele unterschiedliche Einflüsse, aber am Ende kann es sich sehen lassen, was wir gemacht haben. Die Lyrics – bis auf „Stillborn“- kommen von unserem Sänger Stefan. Generell geht es in unseren Texten um Glauben, den Glauben ans Leben, an Rock´n´Roll, an die Musik und auch den Glauben an Sex. Es sind sehr persönliche Texte, die auch seine eigene Meinung und seine Erfahrungen widerspiegeln.

Welche musikalischen Vorbilder habt ihr und wer hat euch eventuell inspiriert?

   Da könnte ich jetzt 1000 Bands aufzählen, von Deep Purple über Metallica, Black Sabbath oder aktuelle Sachen, wie Royal Republic. Natürlich gibt es eine Schnittmenge von Musik, die alle von uns hören, aber es geht auch sehr weit auseinander. So ein bisschen 80er Bon Jovi kann man bei uns relativ viel raushören oder Deep Purple kann man etwas ausmachen. AC/DC… aber eigentlich ist alles verschwommen und miteinander vermischt.

Ihr seid eine sehr starke Live Band, die nicht nur etwas für´ s Ohr sondern auch für´ Auge liefert. Inwiefern? Tun das nicht alle Metal- und Hardrock-Bands? Was unterscheidet euch?

   Wir sind eine der wenigen Bands, die noch wirklich mit Lederkluft und Glitzertop mit silberner Hose (Jonas) auf die Bühne gehen, wie man es aus den 80ern noch kennt und das machen wir auch noch so. Nicht aus Spaß am Verkleiden, sondern weil es zu unserer Musik passt und wir dahinter stehen. Ich (Jonas) fühle mich auch nicht komisch in dem Ding, denn für die Situation passt das einfach. Wir haben live sehr viel Spaß und sind nach jedem Konzert auch immer total kaputt. Wir versuchen, die Leute mitzureißen und denken, das gelingt uns auch ganz gut. Was uns außerdem von anderen Bands unterscheidet ist unsere Schlagzeugerin, das hat auch nicht jeder. Es gibt schon Leute, die erschrocken sind, wie so ein kleines, süßes Mädel s o das Schlagzeug verdreschen kann. Es klingt schon fast frauenfeindlich, aber ich sage immer „Ich finde es toll, dass man nicht hört, dass du eine Frau bist, wenn du spielst.“ Sie knallt da schon echt rein und hat Pfeffer. Das macht auch einen Teil unseres Bandimages aus. Es kommt gut an, mal eine Frau am Schlagzeug zu sehen. Es ist was anderes und das hat auch kaum jemand sonst.

Wohin geht der Weg von STRANGELET jetzt? Es kommen nun einige Gigs, wie ich gelesen habe. Steht eine Support-Tour im Raum?

   Ganz eventuell klappt da was mit einer Support-Tour, aber einzelne Support-Gigs…da sind schon Sachen sicher. Vor zwei Wochen sind wir endlich in den neuen Proberaum eingezogen, da können wir loslegen und wieder vernünftig proben und neue Songs schreiben. Es gibt schon viele Ideen, die wir jetzt umsetzen müssen, um sie dann auch live spielen zu können. Das wird in nächster Zeit die große Arbeit sein und irgendwann ist natürlich die nächste CD geplant.

Mit welcher Band würdet ihr liebend gerne einmal auf Tour gehen oder als Support-Act auftreten?

   Def Leppard würde ganz gut passen aber es gibt auch einige deutsche Glam-Metal-Bands, die in Frage kämen. Das würde schon ganz gut passen und auch, weil es deutsche Bands sind, erst einmal.

Was sind die nächsten Gigs, die jetzt kommen und schon bestätigt sind?

   Wir spielen zwei, drei Festivals in Heilbronn, Würzburg und Nürnberg. Dann sind wir in Heidelberg, Stuttgart…und wir sind dieses Jahr mehr auf Festivals fixiert, wollen etwas weiter rauskommen. Und ja, in Frankfurt haben wir noch ein großes Festival.

Welchen Tipp gebt ihr Newcomern mit, wenn sie durchstarten wollen? Worauf müssen sie achten und was darf auf keinen Fall vernachlässigt oder vergessen werden?

   Wir sind ja selbst noch Newcomer und hätten selbst gerne noch ein paar Tipps. Es ist wichtig, dass man nicht einen anderen Stil kopiert sondern seinen eigenen findet, damit man was Besonderes hat, was man auch auslebt. Wichtig ist, dass man Live eine Präsenz zeigt, um die Leute mitzureißen und eine gut produzierte CD ist leider sehr wichtig. Leider, weil es für die meisten kleinen Bands nicht zu bezahlen ist, das ist die Crux an der Sache – und das Dilemma. Mit Geld geht alles, aber das braucht man halt. Man muss Spaß an der Musik haben und die Leute müssen das auch sehen und hören. Das ist mit das Wichtigste.

Habt ihr noch eine Botschaft für die Leute und eure Fans?

   Die Band freut sich wahnsinnig, dass so eine tolle Resonanz für die CD da ist. Wir haben wirklich viele gute Kritiken gekriegt und viele Interviews, so wie heute jetzt hier bei euch…vielen Dank nochmal dafür, Petra. Es ist super, dass man solch eine Platform hat, auf der man sich präsentieren kann, also danke. Uns freut es total, wie alles so positiv aufgenommen wird und wir hoffen, dass es so weitergehen wird.

Noch ein abschließendes Wort für die Fans?

   Danke.

Vielen Dank für dieses tolle Interview. Wir wünschen der Band und euch allen persönlich weiterhin viel Erfolg.

   Vielen Dank, es hat sehr viel Spaß gemacht und auch nochmal vielen Dank an euch.

 

© Petra M. Jansen


Wir haben das Interview in einer ausführlichen Audio-Version zusätzlich aufgezeichnet (Telefoninterview Petra M. Jansen):

https://vimeo.com/131050640

Link Homepage: www.strangelet-band.de
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Link YouTube: www.youtube.com/StrangeletTV
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