Interview mit TALES OF HORROR

Interview mit TALES OF HORROR (Markus Brand/ Vocals, Lars Berger/ Drums, Andreas Block/ Guitar, Bernd Kahlert/ Bass),

geführt von Petra M. Jansen auf dem FMO Full Metal Osthessen 2016

Hallo, schön euch hier zu sehen und auch Markus heute in dieser Band-Konstellation, der uns bereits von anderen Projekten bekannt ist. Erzählt uns etwas über TALES OF HORROR. Wie lange gibt es euch gibt, was habt ihr bisher gemacht habt und etwas über die Bandgeschichte.

(Markus): Die Band gibt es seit gut 15 Jahren, wir hatten aber vorher mit TALES OF HORROR eine andere Besetzung und auch andere Musik gespielt. Wir haben als Thrash Metal- bzw. Speed Metal-Band angefangen – ähnlich wie S.O.D. – mit kurzen, lustigen Stücken und Texten. Damals haben wir ein CD-Album veröffentlicht und ziemlich viel getourt. Ab 2006 haben wir uns neu formiert und das kam so, dass wir unseren Auftritt auf dem Headbangers Open Air hatten und der Veranstalter uns als „alte TALES OF HORROR“ haben wollte. Wir hatten zu dem Zeitpunkt eigentlich schon musikalisch eine andere Richtung eingeschlagen und uns entschieden, dass die Band so eigentlich nicht mehr besteht. Da der Veranstalter bereits alles mit unserem Namen plakatiert hatte, sagten wir: „Ok, wir behalten den Namen TALES OF HORROR und beschreiben den Leuten, dass wir nun eine andere Art von Musik machen, nämlich lupenreinen Heavy Metal, den wir ja auch heute machen. Wir sagten, wir sind eine „Old Wave of German Heavy Metal Band“. Die Besetzung ist von 2006 bis jetzt stabil geblieben. Vor einem Jahr gab es einen Bassisten-Wechsel und Bernd ist neu eingestiegen.

Wie ist das damals beim Publikum angekommen, dass ihr plötzlich eine andere Musikrichtung gespielt habt?

(Andreas): Sie waren etwas geteilter Meinung. Einige waren etwas erschrocken und auch ein bisschen enttäuscht. Sie sagten: „Mensch, eure alten Songs und die Stories in den Liedern waren so cool. Ist ein bisschen schade, dass es aufhört.“ Es gab aber auch Reaktionen, wie: „Wow, das klingt toll, wie ihr es jetzt macht“. Wir haben damals natürlich auch noch ein paar alte Songs im Programm gehabt, sodass dann beide Lager etwas davon hatten. Mittlerweile wurde das alte Programm komplett weggestrichen und wir haben uns an die Arbeit gemacht, neue Songs zu schreiben – bis heute.

Welche Veröffentlichungen gibt es bis jetzt von TALES OF HORROR?

(Andreas): Oh, da gibt´s eine Menge. Jede Menge Demos, wo wir unsere Songs einfach so aufgenommen haben und an Leute, die interessiert waren, verkauft haben. Deshalb haben wir auch hier diese Demo-CD, das ist ein Zusammenschnitt von mehreren Sachen, die wir seit 2005/2006 in dieser neuen Form gemacht haben. Irgendwann war darüber witziger weise auch einmal eine Kritik im RockHard und wir bekamen auf einmal tausend Anrufe. Das war eine sehr gute Kritik und das Schlimmste dabei war das Cover. Das war tatsächlich die schlechteste Kritik, die wir gekriegt haben. Wir finden das natürlich vollkommen in Ordnung, wenn man für seine Musik eine gute Kritik bekommt.

Wie kommen die Songs zustande bei euch? Wer komponiert, wer schreibt die Lyrics? Arbeitet ihr im Studio zusammen?

(Markus): Wir arrangieren unsere Songs eigentlich im Proberaum. Meistens kommt Andreas (an der Gitarre) mit einer Idee oder mit einem Riff an und hat dann oft auch schon ein paar Textvorschläge, wie das Thema des Songs inhaltlich dann auch sein soll. Dann arbeiten wir das gemeinsam im Proberaum aus, nehmen immer wieder einige Demos auf, sodass wir das zu Hause weiterbearbeiten können und dann geht das eigentlich recht schnell. Bei manchen Songs dauert es etwas länger, die schieben wir dann wieder beiseite, weil wir da einfach nicht so recht weiterkommen. Aber bei anderen Songs geht es recht fix und im Laufe der Jahre hat sich schon einiges zusammen gesammelt, sodass wir schon zwei Alben daraus machen könnten. Wir sind auch gerade dabei, ein Album fertigzustellen und hoffen, dass wir das baldmöglichst auf Pure Steel Records veröffentlichen können. Das Datum des Release steht noch nicht fest, wir bekommen Gott sei Dank den Rücken für die Produktion frei gehalten und hoffen, dass es bald soweit ist.

Wo sind eurer Meinung nach die Schwachstellen im Musikbusiness?

(Markus): Deutschland ist schon gutes ein Land, in dem viele Metal-Fans konsumieren. Das Problem für deutsche Metal-Bands oder Metal-Acts ist, dass zu wenig gemacht wird. Das liegt zum einen daran, dass es viel zu wenig Labels gibt, die das Geld haben oder das Budget zur Verfügung stellen, eine Band gut zu fördern. Zum anderen gibt es keine Labels, die eine Band über Jahre hinweg aufbauen wollen. Wenn du Glück hast bekommst du einen Vertrag für zwei Alben-Optionen oder sogar größtenteils nur für ein Album. Wenn du es nicht geschafft hast, dich mit dem einen Album irgendwie halbwegs gut zu etablieren, dann bist du eigentlich auch schon wieder weg. Das ist ein ständiger Kampf und natürlich ist es auch sehr schwierig geworden aufgrund des heutigen Zeitalters und der Medien, dem Internet. Es wird vieles runtergeladen, das wird auch nicht mehr per CD-Verkäufe gemacht und das kriegen die kleinen Bands ganz besonders schlimm mit. Für die Großen ist es nicht mehr so das Problem, die machen ihre Tourneen und nehmen durch ihre Gagen und Merchandise schon so viele Millionen ein, dass es denen eigentlich scheißegal ist, ob da eine CD noch gut verkauft wird. In Deutschland ist der Metal-Markt zwar groß an Konsumenten – es gibt auch sehr gute Metal-Bands – aber es wird keine Band mehr gut gefördert ohne Vitamin B. Wenn da einer dabei ist, der dann richtig Kohle rein buttert, dass man überall mit Anzeigen dabei ist usw., denn es ist alles sehr, sehr teuer geworden – wenn du eine komplette DINa4-Seite in einem Metal-Magazin haben willst z.B. ,dann musst du schon mehrere tausend Euro auf den Tisch legen. Das macht halt kein Label mit, denn sie müssen selber Promotion machen, dann wollen sie von dem CD-Verkauf auch noch was haben, dann muss die Band irgendwie Gig-mäßig unterwegs sein und das sind alles utopische Kosten.

(Andreas): Schon ein bisschen schade, dass die deutschen Plattenfirmen und die deutsche Musikindustrie nicht schon gleich in den 70-ern angefangen haben, die Rockszene in Deutschland hoch zu halten und wirklich auch international zu fördern, weil es dann heute einige andere Möglichkeiten gäbe. Mittlerweile ist es nur in Skandinavien sehr gut. Da hat man ganz andere Möglichkeiten, weil die Bands dort staatlich gefördert werden, Zuschüsse für Proberaum, CD-Produktionen… das ist deren Kulturgut, gerade in Skandinavien, in Schweden, Norwegen, Finnland… und das ist schade für deutsche Bands.

(Markus): Ich habe mich mit Journalisten unterhalten und mal gefragt, ob sie nicht einmal ein German Band- Special machen können, weil es so viele gute deutsche Bands gibt, die tolle Musik machen, von Prog-Rock, Thrash Metal bis Death Metal. Die Antwort war: „Ja, guck dir doch mal alle deutschen Bands an, irgendwie fehlt da doch der internationale Flair.“ Ich musste lange darüber nachdenken und letzten Endes musste ich dann doch zugeben, dass es stimmt, weil bei vielen deutschen Bands diese Power eigentlich nicht rüberkommt. Wir versuchen das zu kompensieren, damit wir nicht zu sehr klingen, wie …“Ah, das ist eine typisch deutsche Band, die da auf der Bühne steht, die versucht, internationale Musik zu machen“ und wir denken, so lange die Fans sehen, dass der Spaß dabei ist und die Band abrockt, sollte das schon reichen. Das ist unser Ziel.

(Andreas): Es darf sich aber auch bei den Fans nicht nur auf das Hören der Megaseller beschränken und wenn einer sagt „Ich bin ein echter Heavy Metal Fan“ und kennt dann nichts anderes als AC/DC, Metallica, Manowar, Motörhead oder geht zu einem Saxon-Konzert und hört nicht mal mehr der Vorband zu, dann ist das kein richtiger Heavy Metal-Hörer, denn es gibt so viele gute Bands und auch gute Musiker überall. Man sollte auch überall mal reinhören und sich auch für kleinere Bands interessieren. Auch müssten die Heavy Metal-Kultur und die zugehörige Lebenseinstellung wieder ein bisschen zurückkommen und die Leute müssen auch unbekannteren Bands eine Chance geben und zuhören. Die Jugendlichen oder Neueinsteiger sollten sich nicht nur immer das anhören, was in den großen Zeitschriften und Magazinen steht, sondern sich selbst ihren Metal und ihre Bands raussuchen und das dann weitergeben. Dann wird es auch wieder im Heavy Metal vorwärts gehen. (Lars): Es gab ja mal die Grunge-Welle, da sagten damals alle „Oh, Heavy Metal ist tot“, aber man hat gesehen, dass ungefähr alle 10 Jahre ein neues Sub-Genre kommt.

Was sind eure kommenden Gigs?

(Andreas): Das kann man noch gar nicht sagen. Mal sehen, wo wir noch überall gebooked werden und wir müssen sehen, was jetzt im Sommer passiert, ob da noch einige Open Airs auf uns zukommen oder einige Club-Gigs. Da müssen wir jetzt mal schauen, weil wir uns größtenteils selbst managen. Vorwärts gehen wird es sicher, wenn das neue Album raus ist. Wir mussten uns ja erst mal finden und heute war hier praktisch Premiere für uns. (Markus): Wenn das neue Album veröffentlicht ist und die Plattenfirma Promotion machen kann, hoffen wir natürlich, dass wir mehr Gigs spielen können, um unser Material auch dem Publikum präsentieren zu können… ganz klar.

Was wären eure Traum-Festivals?

(Markus): Also für mich wäre es toll, auf dem Bang Your Head in Balingen zu spielen, das wäre schon sehr geil, weil es dort nur eine Bühne gibt und da kann eigentlich keiner dran vorbei.  Deshalb möchte ich gar nicht so gerne auf dem WACKEN spielen, weil WACKEN tausend Bühnen hat und bei so vielen Menschen alles gar nicht zu überblicken ist. (Lars): Vor allem kann man gar nicht gleichzeitig alles gucken, viele Bands überschneiden sich und das ist nicht so ein dolles Ding.

(Markus): Steht zwar ganz gut in der Bewerbung drin: “Hey, ihr ward auf dem WACKEN? Und? Wer kennt euch dann? Was wir für das beste Festival halten ist das Headbangers Open Air, dort würden wir immer sehr gerne spielen.

(Andreas): Dort haben wir auch schon zweimal gespielt, gehen aber immer wieder sehr gerne hin. Große Träume haben wir aber eigentlich gar nicht. Was immer sehr schön ist, sind kleinere Metal-Festivals, wie das hier, wo wir gerade sind. Das ist genau der richtige Rahmen für uns und wirklich klasse! KEEP IT TRUE wäre noch etwas, wo wir gerne sind und auch immer selbst hingefahren sind. Schade, dass es das alte MONSTERS OF ROCK in Donington nicht mehr gibt… macht ja jetzt Ritchie Blackmore. Also, wenn da Bedarf ist (lachen)

Wo finden euch die Fans im Netz?

(Andreas): Wir haben eine Homepage, aber die ist veraltet. Die müssen wir unbedingt aktualisieren, aber der Kontakt zu uns funktioniert noch. (Markus): Wir wollen das alles neu an den Start bringen. Aber das meiste passiert natürlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda und da wir viele Metal-Fans kennen und viel auf Konzerten oder Festivals sind, kommen wir – gerade bei kleineren Festivals – immer gut in Kontakt mit den jeweiligen Leuten und stehen in ständigem Austausch mit Fans, Leuten und Veranstaltern. Die Leute finden uns schon.

Welche Botschaft habt ihr für eure Fans?

(Alle):Feiern, trinken, zocken. Die drei Eckpfeiler des Heavy Metal.

Ja, vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Danke dir, hat Spaß gemacht.

 

© Petra M. Jansen

www.tool4spirit.de

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