Wenn der Heavy Metal nicht bald neue Wege geht…

Wenn der Heavy Metal nicht bald neue Wege geht, klingt Eins wie der Abklatsch des Anderen. Es wurde ja schon versucht, Klassikelemente mit einzubringen und weibliche Opernstimmen oder das Gegrunze mit dem Namen "growling" – aber der ganze Thrash-Kram klingt für mich ab und an manchmal tatsächlich wie in die Tonne gekloppt. Auch diese schlechten Kopien großer Metal-Bands sind nicht wirklich überzeugend. Zwar manchmal gut und professionell eingespielt, aber ich vermisse in diesem Genre die Kreativität, neue Elemente (wie sehr gut umgesetzt bei Bands wie Whispered oder die orientalischen Einflüsse bei der German Prog-Rock Band Long Distance Calling oder auch FuXi (Metal from China).

Manche weibliche Metal-Stimmen sind für mich völlig deplatziert und es ist eben nicht das Gleiche ob Nightwish rumträllert oder Matt Barlow von Iced Earth. Wie gesagt, das hier ist meine Meinung und jeder hat eine andere Sicht der Dinge. Doch in diesem Fall schreibe ich und sage ganz klar: Da gibt es nicht wirklich viele herausragende Produktionen, vielmehr Mainstream-Metal.
Metaller dürfen sich auch nicht wundern, wenn es an allen Ecken und Enden hakt, so lange es Billigproduktionen für YouTube gibt und Filmchen zum Thema HEAVY METAL in großem Stil gemacht werden, die Metaller als saufende, fickende, schwarze und fette Gestalten darstellen.

Die Selbstdarstellung oder Promotion-Geilheit kennt keine Grenzen und spätestens da sollten die Bands einen Strich machen und sich weigern, bei so einem niederschmetternden Quatsch mitzumachen. Oder auch diese lächerlichen, dilettantischen Mitschnitte aus dem Übungsraum während der Proben. Das mag höchstens die Fans befriedigen, die Labels allerdings sind schon beim bloßen Anklicken bedient und damit ist nun wirklich keine ernstzunehmende Aufmerksamkeit zu gewinnen. Es heißt nicht umsonst „Business“ und da gehört eben eine klare Positionierung ebenso dazu, wie ein professionelles Marketing. Die Zeiten von Woodstock sind vorbei, das Geschäft ist sehr hart und wird von zwei großen Masterlabels dirigiert. Oder – was auch einige Bands machen – von zahlreichen Independent-Labels, die genauso schnell wie die Pilze aus dem Boden sprießen und wieder verschwinden, weil die betriebswirtschaftliche Unkenntnis stärker ist als der Wille, bekannt zu werden. Voraussetzung dafür ist allerdings das Geld und das haben ohnehin die Wenigsten.

Es wundert mich auch alles nicht, wenn sie ohne Gage durch die Lande ziehen und sich weder die Spritkosten noch die Übernachtungen bezahlen lassen. Es liegt auch an euch, liebe Musiker, diesem Dilemma ein Ende zu setzen und auf Honoration und Kohle zu pochen – und sei es nur die Anfahrt, das Catering, die Spesen und ein Obolus für die Band, die immerhin viel Arbeit und Zeit da reingesteckt hat. Ich kotze, wenn ich sehe, wie sie öffentlich ihre Gigs promoten und das Konto dabei geschröpft wurde. Irgendwie auch selbst schuld! Aber leider sind viele halt ihr Geld auch nicht wert und Veranstalter präsentieren den Fans Bands, die besser zu Hause geblieben wären. Veranstalter zu sein ist schon ein großes Risiko aber der Bäcker backt auch kein Brot für nichts.

„Es gab doch schon alles“, werden Sie sagen und natürlich gab es schon alles und wir erfinden das Rad nicht neu. Dennoch sollte man mal darüber nachdenken, sich eine Individualität zu verschaffen oder – wenn das nicht möglich ist, weil die Band dann doch nicht s o gut ist – dann zumindest ein klares Erscheinungsbild und nicht wie wildgewordene, ewig fickende Bühnenstars, die an glatter Selbstüberschätzung leiden. Das habe ich alles schon erlebt und auch den fatalen Glauben, man gehöre unbedingt zu den ganz Großen im Rockbusiness, obwohl es dafür nicht den mindestens Ansatz zu sehen gibt. Die Pfauen sind unter uns und quälen ihr Umfeld mit schlechten Kopien, springen in die menschlichen Kostüme von toten Rockstars, die sie damit wiederbeleben wollen. Dabei sollten sie ihren eigenen Weg finden und wirklich einmal neue Wege gehen, sofern sie ihre Mängel überhaupt wahrnehmen.

Es gibt genügend gute Beispiele dafür, dass es geht und genau darum geht es: Individualität und den Mut haben, neue Dinge miteinander zu kombinieren, anstatt zum hundertsten Male den gleichen Kram produzieren zu wollen. Es ist schon schwer genug, eine Band zusammenzustellen, bei der die Musiker sich einig sind und an einem Strang ziehen – ganz abgesehen von der räumlichen Distanz, dem Berufsleben, der Familie usw. Aber wenn schon, dann macht euch mal ernsthaft Gedanken, w a r u m die Leute gerade eure Musik hören sollten? W a s macht die Band einzigartig und w o liegt die Besonderheit? Höre ich da zweimal hin oder geht das an mir vorbei und sage ich: „nett gemacht, aber reißt mich nicht vom Hocker, klingt wie….“?

Nicht einfach diese Übung, das weiß ich und ich bewundere jeden, der sich dieser kreativen Aufgabe widmet. Leider aber handelt es sich mehr um nette Kopien von bereits Dagewesenem oder eine Wiederholung der X-ten Wiederholung ohne Wiedererkennungswert. Und das ist Arbeit, die sich nicht lohnt, so sehr es auch Spaß macht und Freude bereitet. Zweigleisig lautet also das Zaubermotto – erstens sich überprüfen, ob man w i r k l i c h gut und anders ist und die Qualität stimmt. Zweitens: wenn es so ist, was in der heutigen Zeit einen Seltenheitswert hat, dann bitteschön sich nicht unter Wert verkaufen. Das schadet dem Image der gesamten Branche und die reine Geilheit, in der Öffentlichkeit zu stehen und Erfolg zu haben, darf nicht daran scheitern, dass man jeden Unsinn mitmacht und den schlechten Produktionen nicht die Stirn bietet. Die wollen sich ohnehin nur bereichern und ihr eigenes „Ding“ machen – in den wenigsten Fällen geht es ihnen um die Künstler. Aber Abklatsch und fade Kopien braucht auch niemand mehr, genauso wenig überzogene Egozentriker im Musikbusiness oder unprofessionell arbeitende Musiker.

In diesem Sinne – machen wir es besser!

© Petra M. Jansen

www.tool4spirit.de

FacebookLinkedInTwitterXINGEmpfehlen

One thought on “Wenn der Heavy Metal nicht bald neue Wege geht…

Comments are closed.