Interview mit Simon Moskon – CRYPTEX

Interview mit Simon Moskon von CRYPTEX (Martin Linke/ Guitar, Ramón Fleig/ Drums, Simon/ Vocals, Bass) 

von Petra M. Jansen

CryptexSimon, du bist der kreative Kopf der Band CRYPTEX und offiziell Bandleader. Euer Stil ist unverwechselbar und ist dem progressive Folk-Rock zuzuordnen. Wie und wann fing es an mit der Band?

   Ich komme aus einer Musikerfamilie, mein Vater hat sehr viel Elan rein gesteckt, um mich an die Rockmusik heranzuführen. Ich habe angefangen, in der Schule Musik zu machen, dann bin ich eine ganze Zeit lang Skateboard gefahren. Die Idee, Musik zu machen, hat mich lange begleitet bis ich mir mit 17 einen Bass gekauft habe und ein paar Jahre später autodidaktisch Klavier gelernt habe. Mit 18 oder 19 habe ich mit Ramón Fleig zusammen die erste Band „Wishless“ gegründet. Das war nichts wirklich Tolles, aber es hat erst mal gereicht. Ich hatte ein Konzept im Kopf, eine Idee und Hummeln im Hintern bis wir im Frühjahr 2008 sehr ambitioniert auf Suche gegangen sind und Martin Linke gefunden haben. Seitdem ist er dabei und CRYPTEX wird in dieser Form repräsentiert.

Ihr werdet als „der lächelnde Wahnsinn“ beschrieben, warum?

   Vielleicht liegt das an mir, ich habe keine Ahnung. Vielleicht ist auch Roland Loy, der auch unser Debutalbum produziert hat, der Verursacher. Vielleicht ist es auch eine Symbiose aus dem teilweise wahnwitzigen Live-Spiel, das sehr intensiv ist und sehr viel Emotionen hat und dennoch ist bei uns auf der Bühne eine verschmitzte Ausstrahlung, der Schalk im Nacken spürbar.

Die Band besteht aus nur drei Musikern und wenn man das mit anderen vergleicht, eine Trio-Besetzung… und dann so ein satter Sound?

   Das ist mehr oder weniger ein Glücksfall und wir haben einen guten Tontechniker, der live ein sattes Fundament schafft. Es ist der Bass, der fehlt und den muss man kompensieren. Gitarren-technisch fahren wir mit einem Stereobild, zwei Mikros, sodass der Gitarrensound satter rüber kommt. Es muss alles aus der rudimentären Form herausgeholt werden und es freut uns natürlich sehr, dass haben wir schon öfters gehört. Ja, wir haben einen guten und festen Tontechniker, der uns begleitet. Eigentlich sind es ja acht Instrumente, die gespielt werden.

Eine unglaubliche Spielfreude zeichnet euch aus, wenn ihr live auf der Bühne spielt. Epische und experimentelle Einflüsse… wer macht die Songs bei euch?

   Da bin ich „the one to blame.“ „Good Morning, How Did You Live?” stammt aus meiner Feder, bei den Songs „Gypsy´s Lullaby“ und „Grief And Despair“ hat Martin Linke mitgeschrieben. In erster Linie mache ich das, die Texte schreibe ich komplett, die Kompositionen zu 80-90% auch und teilweise kommen die Songs auch schon fertig in den Proberaum. Als Band jammen wir natürlich auch und arbeiten gemeinsam an dem Material. Jeder kann auch inputten, sofern er was in petto hat.

Am 26. Juli war CRYTEX Support für die Rock-Horror-Legende Alice Cooper und 2012 war die Band als Supportact für die schwedischen progressive Metaller „Pain of Salvation“ in 14 Ländern auf Europatour. Dieses Jahr hattet ihr eine 2. Tournee als Support für „Threshold“ aus Großbritannien und eure erste Headliner-Tour mit 11 Konzerten in drei Ländern und das innerhalb von fünf Wochen. Was bedeutet das für euch?

   Man kann seine Fanbase unglaublich ausweiten und bekommt die Möglichkeit, seine Musik auf den internationalen Bühnen zu präsentieren. Der Support für „Pain of Salvation“ war schon eine große Sache, ein sehr wichtiger Meilenstein für uns. Wir bekommen nun Emails und Webshop-Bestellungen aus aller Welt, das ist toll.

2008 habt ihr die EP „Even Nature Will Be Thrilled“ in Eigenregie über einen Digitalvertrieb als Download veröffentlicht, im März 2011 erfolgte die Veröffentlichung eures Debutalbums „Good Morning, How Did You Live?“ Erzähle mal ein wenig über diese Produktion und wo liegt die Besonderheit?Cryptex

   „Good Morning, How Did You Live?“ ist ein Machwerk. Ich bin ein “gequälter Mensch“, bin oft ruhelos, habe viele Ideen und Konzepte im Kopf, auch, wenn ich weiß, dass ich es nicht umsetzen kann. Damals war ich in Aufbruch-Stimmung und habe meinen Job gekündigt, weil ich ein Album im Kopf hatte, das so geil werden und so viel beinhalten musste, dass ich mich erst einmal voll und ganz darauf konzentrieren wollte. Ich habe sehr schnell – innerhalb von einem Jahr – alles komponiert und wir sind dann im März ohne Vorarbeit direkt ins Studio gegangen. Das uferte zu einem immer größer werdenden Projekt aus und hat uns finanziell fast in den Ruin gestürzt, nur weil ich diese Vision hatte. Es war eine aufregende, kreative Zeit, die sehr viel Spaß gemacht hat. So hat das Ganze ein Gesicht bekommen – aus der Bierlaune heraus zu einem tollen Kunstwerk. Die Besonderheit? Ein möglichst facettenreiches und Genre-vielfältiges Album zu produzieren, um – durch die Zugabe der eigenen Essenz – einen frischen, neuen Sound zu kreieren.

CRYPTEX ist bei Warner/ Chapell Music unter Vertrag. Wann können die Fans das nächste Album erwarten, Simon? Arbeitet ihr daran?

   Ja, wir arbeiten daran, aber es bestehen erst sieben Songs in der Rohfassung. Sie sagen noch nicht das aus, was ich mir vorstelle und es fehlen noch 7-8 weitere Songs, die wir bis Januar/ Februar 2014 fertig haben wollen, um im Winter 2014 ein neues Album zu veröffentlichen. Diese Angabe ist jedoch ohne Gewähr, denn ich kann nicht genau sagen, wann es raus kommt. Die Leute dürfen aber gespannt sein, das wird der Kracher – das kann ich versprechen!

Wie zufrieden bist du mit der Vermarktung und der bisher angezeigten Promotion bezüglich der Band, des Albums und des Bookings?

   Ich darf nie zufrieden sein, weil das für mich Stagnation bedeutet. Es ist im klassischen Sinne viel gemacht worden, aber wir selbst haben auch viel dazu beigesteuert. Es kommt immer darauf an, was man möchte als Künstler. Wir haben natürlich auch viel Druck ausgeübt und danach ist viel passiert. Der Markt ist übersättigt und es schwer, sich abzuheben. Man muss ständig für sich selbst Partei ergreifen um sich bemerkbar zu machen, was sehr anstrengend ist. Wir geben als Band extrem viel und reißen uns den Arsch auf. Das Gleiche erwarten wir auch von den Leuten, die mit uns zusammenarbeiten. Das klingt totalitär, ist es aber nicht, es geht um´s Prinzip. Es gibt viele großartige Bands, die nicht zum Zug kommen, weil an den entsprechenden Stellen auch nur Menschen sitzen. Wir haben versucht, dem entgegen zu wirken und sind sehr dankbar für jede Hilfe. Das ist sehr wichtig für uns und Bands brauchen Benefits.

Wo liegen deiner Meinung nach die Schwachstellen im Musikbusiness?

   Die Schwachstelle ist die Übersättigung des Geschäfts, vor allem auf Amateurebene. Jede Dorfcombo kann sich einen Label-Code kaufen. Wir haben einen Dschungel an Quantität, aber die Leute müssen suchen, um Qualität zu finden. Die Masse an Angeboten und Produktionen benötigt viel Aufmerksamkeit, doch die Realität sieht anders aus, das ist nicht kompatibel. Im Live-Sektor sind die physischen und digitalen Verkäufe als Einnahmequelle nicht mehr relevant, die Musiker sind angewiesen auf Touren und Merchandise. Immer weniger Clubs lassen sich auf junge, neue Bands ein und gehen auf Nummer sicher. CRYPTEX 20 Jahre zurück, wäre was weiß ich, wo. Wir haben fast 200 Shows gespielt und bei dem Stellenwert hätte es anders gerappelt. Heute ist das Pipifax, was eigentlich traurig ist und das Resultat ist nicht so zufriedenstellend. Die Gesetze des Business sind rational schwer nachzuvollziehen. Dann gibt es oft zu wenig Ehrgeiz, jeder kocht sein eigenes Süppchen und alle besinnen sich nur auf die Bands, bei denen die Kassen klingeln. Wir haben von unserer Seite aus alles gemacht, was man machen kann, jetzt müssen andere ran. Du kommst immer nur mit dem Zehennagel durch die Tür. Früher haben sie was riskiert, heute leider nicht mehr. Aber wir haben Partner, die uns sehr helfen und tolle Arbeit geleistet haben bisher.

Welche Gigs von CRYPTEX sind – neben dem Support von Alice Cooper – in absehbarer Zeit geplant?

   Erst einmal keine. Wir hatten uns schon letztes Jahr nach unserer Veröffentlichung der Live-DVD am 23. November verabschiedet, um uns für eine Kreativpause zurückzuziehen. Dann kam das Angebot, eine zweite Europatour zu spielen, was wir nicht ablehnen konnten. Der Plan wurde vereitelt und wir haben damit unsere Live-DVD promotet. Dann war es eigentlich Zeit für eine Headliner-Tour und wir haben April und Mai durchgespielt. 33-35 Konzerte vom 1.3. bis 27.7, das ist viel. Ab August gibt es für eine unbestimmte Zeit erst einmal nichts, im November gibt es eine kleine Show hier in unserer Region. Wir wollen uns auf das neue Album konzentrieren.

Wo können eure Fans euch finden und in Kontakt treten?

   Auf unserer Facebook-Fanpage, bei myspace, twitter, Reverbnation, unserer Homepage www.cryptexmusic.com, unter dem Lesezeichen „Shop“ finden sie unseren Web-shop und auf unserem eigenen YouTube-Kanal.

Betreibt ihr eure Social Web-Seiten selbst oder bearbeitet das jemand anderes für euch?

   Wir betreiben das 100% selbst, das sollte mal jemand anderes machen, hatte sich aber nicht bewährt. So lange man in der semi-Profiliga spielt, ist der direkte Kontakt sehr wichtig.

Hast du noch eine Botschaft für die Leute da draußen?

   Das Leben ist kein Wunschkonzert, es sei denn man hat sein eigenes Repertoire geschrieben.
Wir nehmen keine besondere Rolle ein, beziehen insofern auch keine Stellung oder stellen Thesen auf. Was mir persönlich noch wichtig ist: ich würde mir wünschen, dass unsere Fans uns weiterhin treu bleiben, weiterhin unsere Konzerte besuchen und unsere Musik in die Welt raus tragen. Ohne Fans geht es nicht und wir bedanken uns sehr bei ihnen.

Vielen Dank für dieses Interview, Simon. Ich wünsche der Band und natürlich auch Dir weiterhin viel Erfolg.

   Ich danke dir, Petra, das war ein sehr entspanntes und angenehmes Interview.

© Petra M. Jansen
www.tool4spirit.de

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